Die Bücherkinder lesen Texte aus der

Ein überraschender Besuch war die Stippvisite der Bücherkinder Brandenburg zur Jahreshauptversammlung der Magdeburger Pirckheimer am 29.September im Literaturhaus zwar nicht, aber überrascht haben sie trotzdem. Das zeigten zumindest die Reaktionen der meisten Anwesenden, die begeistert waren, wie sich die Kinder der Postkartenpoesie des Schriftstellers Jurek Becker genähert haben.

Alleine waren die Bücherkinder nicht aus Brandenburg angereist. Mit dabei ihr "Vater" Armin Schubert, der seit vielen Jahren Buchprojekte mit und für Schulkinder initiiert und realisiert. Waren es zuvor beispielsweise die Spuren des Grafikers Werner Klemke, auf denen die Schüler wandelten, stellten sie in Magdeburg ihr jüngstes abgeschlossenes Projekt vor: „Du liebe Hühnerkastanie – Auf den Spuren von Jurek Beckers Postkartenpoesie“. An dem Buchprojekt haben sich zu den Themen Glück, Neugier, Langeweile, Zeit und Mut neun Bücherkinder der Evangelischen Grundschule beim Dom zu Brandenburg, deren Familien und prominente Schreiber wie Frank-Walter Steinmeier, Friedrich Schorlemmer, Ottilie Krug (Frau von Manfred Krug), die Künstler Klaus Ensikat, Angela Hampel, Ronald Paris und der Vorsitzender der Pirckheimer-Gesellschaft Ralph Aepler beteiligt.

Armin Schubert hatte auch einige Grafiken und Bücher mitgebracht, die zugunsten des neuen Buchprojektes zu Arno Mohr erworben werden konnten. | © R. Wege

In Magdeburg waren vier der neun Bücherkinder um Texte zu lesen, einen Rapp zur Hühnerkastanie vorzutragen und von ihrem aktuellen Projekt zu berichten. Dabei geht es um den Grafiker Arno Mohr. Wie immer, so steht am Ende des Projektes wieder ein Buch: "Arno Mohr von hinten oder Nichts geht verloren".

Der Besuch der Bücherkinder aus Brandenbur hat eindrucksvoll bewiesen, dass es heute trotz Internet und Social media nicht nur möglich ist, Kinder für schöne Bücher, Literatur und Illustrationen zu begeistern, sondern das es auch noch Spaß machen kann.

Vereinsvorsitzende Sigrid Wege bedankte sich bei den Bücherkindern und Armin Schubert. | © R. Wege

Mit Michael Mathias Prechtl (1926 bis 2003) wurde den Magdeburger Bibliophilen in dem Vortrag im Literaturhaus ein Nürnberger Künstler vorgestellt, der nach seinem Tod ein umfangreiches illustratorisches Werk, zahlreiche Plakate und andere künstlerische Arbeiten hinterlassen hat. Obgleich er durch seine gestalteten Titelseiten für Zeitschriften wie der »Spiegel« oder die »New York Times« in den USA einem Riesenpublikum bekannt wurde, wusste man, vor allem im Osten Deutschlands, nur wenig über ihn.

Dr. Ute Willer vor einem Foto Prechtls. | © R. Wege

Erst eine umfangreiche und viel besuchte Ausstellung anlässlich seines 75. Geburtstages im Historischen Museum in Berlin zeigte 2001 den enormen Reichtum seiner vielschichtigen Bilder und weckte das Interesse an seinem Leben und Werk.

Der Vortrag umriss die Lebensstationen des gebürtigen Ambergers, seinen Kriegseinsatz mit 17 Jahren, die schwere Zeit in sowjetischer Kriegsgefangenschaft und sein Kunststudium in den frühen fünfziger Jahren in Nürnberg. Er zeigte die Auseinandersetzung Prechtls mit seinen Künstlerkollegen in der Nachkriegszeit, weil er sich den modernen und abstrakten Stilrichtungen verweigert hat und konsequent und traditionsbewusst an seiner akribisch-realistischen Malweise festhielt. Doch dieser Realismus brachte Werke hervor, die in ihrer Vielschichtigkeit und Intelligenz, vor allem aber in ihrem kritischen Humor, beweisen, wozu seine Art der Wirklichkeitserfassung fähig ist.

Seine Plakate, Buchillustrationen und Titelgestaltungen für die Medien, seine Bilder und Zeichnungen zur Geschichte, Kultur und Literatur haben ihm einen Platz in der ersten Reihe der deutschen Grafiker und Illustratoren des 20. Jahrhunderts zugewiesen.

Dr. Ute Willer

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