Eine bibliographische Expedition in Buch, Film und Grafik des Künstlers Frans Haacken

Jahrelang hat sich der Journalist Till Schröder (Berlin) mit dem Zeichner Frans Hacken beschäftigt. Am 17. Oktober kamen die Magdeburger Pirckheimer in den Genuss, das Ergebnis seiner Beschäftigung kennenzulernen. Till Schröder war ihrer Einladung gefolgt und hatte sein Buch "Frans Haacken. Zeichner zwischen 3 Welten." mitgebracht und vorgestellt.

Till Schröder mit seinem mehrfach ausgezeichneten Buch über Frans Haacken. | © S. Wege

Anhand zahlreicher Bildbeispiele zeigte Till Schröder, warum Frans Haacken (1911-1979) ein grafischer Grenzgänger war. Haacken arbeitete für Ost wie West, für Kinderbücher und Hochliteratur, für Avantgarde und Reklame. Er schuf Plakate und Bücher für Bertolt Brecht, mit Prokofiews "Peter und der Wolf" eines der markantesten Bilderbücher Deutschlands und in mitten der Berlin-Blockade den bis dahin längsten deutschen Zeichenfilm - "Das Spatzenfest". Er prägte das Theaterplakat nach 1945, holte Werbefilmpreise in Cannes, entwarf Kirchenglas und machte deutschen Nonsens international bekannt, als seine "turnende Tante" den italienischen Humorpreis von Bordighera errang. Er blieb gerade deshalb der ewige Geheimtipp. Sein Aktionsradius war immens.

Auf kurzweilige und anschauliche Art lernten so die Gäste des Abends im Literaturhaus einen Künstler kennen, den vorher kaum einer auf seinem "Radar" hatte. Das dürfte sich mit diesem Abend geändert haben und die Magdeburger Bibliophilen aufhorchen und wissend nicken lassen, wenn ihnen der Name Frans Hacken begegnen wird ...

An diesem Abend ging es zudem um mehr als "nur" um den Inhalt  der Werkmonographie von Till Schröder. Die Gestaltung des Buches war ebenso ein aufschlussreicher Bestandteil seines Vortrages. Und so machten sich die Bücherfreunde selbst ein Bild davon, warum das Buch mit dem German Design Award 2015, dem Joseph Binder Award 2014 und dem European Design Award 2013 ausgezeichnet wurde.

Till Schröder im Literaturhaus Magdeburg bei den Magdeburger Pirckheimern. | ©  S. Wege

 


Till Schröder:
Frans Haacken. Zeichner zwischen 3 Welten. Eine bibliographische Expedition in Buch, Film und Grafik des Künstlers Frans Haacken.

Berlin: Gretanton 2012. 232 Seiten mit 390 meist farbigen Abbildungen. 30,5 x 21,5 cm.
ISBN 978-3-00-040470-2


 

Magdeburger Bibliophile besuchen Hans-Jürgen Wilke

Vor gut einem halben Jahr hatte sich Hans-Jürgen Wilke von Berlin aus auf den Weg nach Magdeburg gemacht. Er ist der letzte Drucker des Künstlers Conrad Felixmüller. Im Magdeburg Literaturhaus stellte er auf Einladung der Magdeburger Bibliophilen den Künstler und seine Werke vor. Jetzt hatten sich die Magdeburger auf Reisen begeben und für ihre Jahresexkursion die Bundeshauptstadt auserkoren. Ganz genau die Wohnung von Hans-Jürgen Wilke. Denn dieser hatte die Einladung nach Berlin ausgesprochen, als er in Magdeburg war. Denn nach Magdeburg, so Wilke, habe er nur einen ganz geringen Teil seiner umfangreichen Sammlung mit Werken von Felixmüller mitbringen und zeigen können. Das seien nur rund drei Prozent seiner Sammlung gewesen. Folglich gibt es bei ihm zuhause noch sehr viel mehr zu sehen und zu bestaunen.

In jeder Ecke konnten die Magdeburger Bücherfreunde etwas entdecken. | © R. Wege

Das ließen sich die Magdeburger nicht zweimal sagen. Sie genossen den Besuch und den Rundgang durch die Wilkesche Wohnung. Kaum eine Stelle an den Wohnungswänden, wo nicht  ein Werk von Felixmüller oder (ausnahmsweise) eines anderen Künstlers hing. Sichtlich beeindruckt ließen die Magdeburger das Ambiente auf sich wirken. Nicht zuletzt hatte der einführende Vortrag von Hans-Jürgen Wilke, gespickt mit zahlreichen Anekdoten und eigenen Erlebnissen, dazu beigetragen. Die Gespräche auf der Bahnfahrt zurück nach Magdeburg ließen erahnen, dass diese Jahresexkursion einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat.

Vereinsvorsitzende Sigrid Wege bedankt sich bei Hans-Jürgen Wilke mit einem kleinen Präsent. | © R. Wege

Hans-Jürgen Wilke hatte auch Druckstöcke von Conrad Felixmüller zum Anschauen bereitgelegt. | © R. Wege