Presseinformationen

Hans Ticha
Grafik/ Illustration/Buchkunst

ist das Thema der Ausstellung, zu deren Eröffnung die Magdeburger Pirckheimer
am Mittwoch, den 15. April 2015,
um 19 Uhr in das Literaturhaus Magdeburg einladen.

Der Künstler ist anwesend. Auf dem Cello spielt Matthias Marggraff. Es spricht Dr. Peter Labuhn

 


 

Über Hans Ticha

(von Dr. Peter Labuhn)

 Hans Ticha wurde 1940 geboren. Er studierte von 1958 - 1962 in Leipzig Pädagogik und arbeitete dann zwei Jahre  als Lehrer. In den Jahren 1965 - 70 schloß sich ein Studium an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin-Weißensee an. Zu seinen Lehrern zählen die Professoren Kurt Robbel, Werner Klemke, Arno Mohr und Klaus Wittkugel.

Prof. Robbel, für den Malerei eine Kunst der Fläche war, lehrte ihn die strenge Statik und Tektonik des Bildaufbaus, wobei dies auch die Verwendung intensiv-leuchtender Farben mit einschloß.

Seit 1970 arbeitet der Künstler freiberuflich. Er lebt jetzt in Maintal (Hessen).

Der Künstler erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise, von denen stellvertretend nur zwei genannt werden sollen: 1982 die Silbermedaille auf der Internationalen Buchausstellung Leipzig und 1998 den Walter-Tiemann-Preis.

Dabei muß man sich stets vor Augen halten, daß Hans Ticha nicht nur der Buchillustrator wirkte, sondern auch als Maler, als Schöpfer plastischer Objekte,  Gestalter architektur-bezogener Werke und vor allem auch als Graphiker. Im Jahr 1971 schuf der Buchkünstler für die einst äußerst populäre Reihe "Poesiealbum" des Verlages Neues Leben Berlin zwei Federzeichnungen. Bereits die beiden nachfolgenden Illustrationsarbeiten (Karinthy: Ich weiß nicht, aber meine Frau.../ Fallada: Geschichten aus der Murkelei)  wurden als "Schönste Bücher" ausgezeichnet.

Bis zum Jahr 2000 hatte der Künstler bereits 83 Bücher illustriert.  Hinzu kommen noch 64 gestaltete Einbände und Umschläge, 36 Illustrationsbeteiligungen und 33 Plakate!

Die besondere Vorliebe Hans Tichas gilt dem Kinder- und Jugendbuch. Das Spektrum reicht dabei vom Hartpappebilderbuch für die Jüngsten bis zum science-fiction-Almanach für jugendliche (und erwachsene) Leser.

Von Anfang an hat das Schaffen von Hans Ticha die Betrachter zu polarisiert. Einer begeisterten Fan-Gemeinde steht die Allianz der konsequenten Ablehner gegenüber.

Die in der Tradition von Oskar Schlemmer, Fernand Léger sowie unter Aufnahme der Traditionslinien des sowjetisch-russischen Konstruktivismus und des Bauhauses entstandenen Arbeiten verletzten schon die  Sehgewohnheiten des "normalen" DDR-Graphikliebhabers, scheinen aber auch in Gesamtdeutschland noch unterschiedliche Aufnahme zu finden.

Seit dem Ende der 70iger Jahre des vorigen Jahrhunderts schuf Hans Ticha vorwiegend großformatige grafische Blätter, die bereits durch ihre Titel wie z. B. "Hurra" und "Die Klatscher" darauf hinweisen, daß hier Themen dargestellt wurden, die sorgsam vor der DDR-Öffentlichkeit verborgen wurden und erst ab November 1989 offen gezeigt wurden. Die häufig auf geometrische Grundformen reduzierten Figuren, immer verbunden mit einer wohl eigenwillig zu nennenden Komposition des Themas, provozieren eine Abwendung von eingefahrenen Sehgewohnheiten und verlangen die Herausbildung eines neuen, eines eigenen Standpunktes zum Sujet.

Eine simplifizierende Einordnung des Schaffens von Hans Ticha in die Schublade "Pop art-Künstler" wird der Vielfalt seiner Ausdrucksformen nicht gerecht. Seine Arbeiten sind stilistisch nicht leicht einzuordnen. Man darf wohl ohne Übertreibung feststellen, daß er als Solitär imponiert.

Zusätzliche Informationen