Interessiert blätterten die Gäste des Abends in den von Eberhard Schlotter illustrierten Büchern und einigen seiner Mappenwerke. | © Ralf Wege

Eher zufällig erwarb Mitte der 1960er Jahre Jutta Osterhof ihre ersten beiden Radierungen des Malers und Graphikers Eberhard Schlotter. 1972 lernte sie den Künstler bei einer Ausstellung seiner Oelbilder in Frankfurt/Main persönlich kennen. Das war der Beginn einer lebenslangen Freundschaft, die bis zum Tod von Eberhard Schlotter im Jahr 2014 hielt.

Am 17. Mai 2017 war Jutta Osterhof aus Berlin nach Magdeburg gekommen, um auf Einladung der Magdeburger Pirckheimer einen speziellen Ausschnitt aus dem mit über 300 Ölgemälden, mehr als 400 Aquarellen, über 4.200 grafischen Arbeiten, zahlreichen  Mappenwerken und bibliophilen Illustrationen äusserst umfangreichen Werkes vorzustellen. Passend zu einem bibliophilen Verein lag es auf der Hand, sich an diesem Abend auf das Schaffen Eberhard Schlotters als Illustrator von Literatur, als Buchillustrator zu konzentrieren.

Arno Schmidt soll Eberhard Schlotter einmal als den größten Illustrator des Jahrhunderts bezeichnet haben. Schlotter schuf zahlreiche Mappenwerke und bibliophile Ausgaben zu Texten von Giovanni Boccaccio, Bertold Brecht, Federico García Lorca. Unter anderen illustrierte Schlotter »Der Tod des Tizian« von Hugo von Hofmannsthal, Goethes »Urfaust«. Nicht fehlen darf natürlich die graphische Auseinandersetzung Schlotters mit Texten seines Freundes Arno Schmidt. So schuf Schlotter unter anderem 17 Radierungen zu Schmidts »Seelandschaft mit Pocahontas.«

Jutta Osterhof mit zwei Radierungen von Eberhard Schlotter

Ihren Exkurs durch das buchillustratorische Schaffen Schlotters bereicherte Jutta Osterhof zum einen mit zahlreichen Abbildungen der entsprechenden Bücher. Zum anderen eröffneten ihre Anekdoten und Erinnerungen an die »vielen tollen Gespräche« und Begegnungen mit Eberhard Schlotter einen persönlichen Zugang zum Menschen und Künstler Schlotter, der für fast alle der Anwesenden einmalig gewesen sein dürfte. Ein Beispiel ist die Entstehungsgeschichte des Werkes »Schwarze Spiegel.« Zehn Ver=Ätzungen zu einer Erzählung von Arno Schmidt von 1984. Eberhard Schlotter »erfand« diese besondere Technik aufgrund einer Unachtsamkeit, da er eine Platte zu lange im Säurebad hatte liegen lassen.

Bei der Fülle an Exponaten musste die Couch zur Unterstützung der Präsentation herhalten. | © Ralf Wege

Damit die Zuhörer nicht nur einen theoretischen Eindruck vom buchillustratorischen Schaffen Schlotters bekamen, hatte Jutta Osterhof den Kofferraum ihres Pkw mit entsprechenden Werken vollgeladen und diese im Literaturhaus ausgelegt.  Dazu gehörten beispielsweise die in 20 Exemplaren erschienene Suitenausgabe der »Hetärengespräche« von Lucian in der Übersetzung vom C.M. Wieland mit 17 einzeln signierten Radierungen von Schlotter, oder Einblattdrucke der Bear-Press wie »Orientalische Nachtmahre« von Thomas de Quincey, »O Nacht« von Annette von Droste-Hülshoff oder »Von Träumen« von Sir Thomas Browne. Die Möglichkeit, in diesen beeindruckenden Ausgabe zu blättern, nutzten die Pirckheimer nach dem gut einstündigen Vortrag ausgiebig.

Der inhaltsreiche und unterhaltsame Vortrag sowie die ausgelegten bibliophilen Werke boten ausreichend Stoff für die anregenden Gespräche zwischen dem Publikum und der Referentin, in die sich Jutta Osterhof gerne verwickeln ließ. Und die Gäste des Abends ließen sich diese Gelegenheit zum Plaudern nicht entgehen.

Bei der Fülle an Exponaten musste die Couch zur Unterstützung der Präsentation herhalten. | © Ralf Wege

 Jutta Osterhof mit einer Farbradierung von Schlotter zu